Der Osterputz unseres Lebens

 


 

10.April 2020

In den letzten Tagen vor Ostern herrschte in meiner Kindheit immer reges Treiben. Bis zum Gründonnerstag musste im Elternhaus vom Dachboden bis zum Keller alles blitze blank geputzt sein. Meine Geschwister und ich waren fest eingebunden in diese Tradition. Will heißen: Mithelfen war angesagt. Fenster putzen, das mochte ich gar nicht. Dieses hochtonige Pfeifen, das entstand, wenn ich mit Zeitungspapier und Putzmittel die Scheiben in kreisenden Bewegungen massierte, habe ich noch immer im Ohr. Und die nicht und nicht verschwinden wollenden Schlieren sehe ich auch bis heute noch.

Ab Karfreitag war Ruhe im Haus angesagt. Unsere Mutter gemahnte zur Besinnung, zur inneren Einkehr, sozusagen zum Osterputz der Seele. Eine für Kinder nur schwer zu erfüllende Steilvorlage.  

Die folgenden Ostertage waren Familienzeit. Bei der Fleischweihe am Samstag Freunde treffen und im Anschluss daran Osternest suchen. Kleine Geschenke, große Freude. Dann Karbid schießen mit alten Lackdosen und das Osterfeuer,- eine riesige Hetz. Der selbstverständliche Besuch der Ostermesse am Sonntag und am Montag vielleicht ein Spaziergang in der näheren Umgebung. Das war Ostern. 

Shopping Tour, Restaurant Besuch, Kurztrip ans Meer, Party Time? Fehlanzeige. Alles leicht zu ertragen, wenn es so etwas gar nicht gibt.

 

Und heuer? Da hat uns Corona ordentlich durcheinander gewirbelt. Finden Sie nicht auch? 

Nach dem ersten Schock ist die Zeit für einen Osterputz schon recht lang.

Ich weiß schon:  Neben der Angst vor der Krankheit selbst haben manche den Arbeitsplatz, andere ihre Umsätze verloren. Ja, wir sind auch betroffen.

Natürlich ist das unerfreulich. Dazu die Sorge, wie es wohl weiter gehen wird?! Und dann noch das „Eingesperrt sein“, nicht raus zu dürfen, die fehlende Möglichkeit einer Umarmung lieb gewonnener Freunde oder eines herzhaften Knuddelns der süßen Enkel. Es leiden Mensch und Tier. 

 

Doch einmal ganz ehrlich.

Ist all das wirklich die riesige Krise? Die größte seit dem 2. Weltkrieg, ja beinahe der Weltuntergang? 

Unser Gesundheitssystem? Voll funktionstüchtig. Unser Sozialstaat? Großartig. Sicherheit um Leib und Leben? Unbedroht. Verbindung zu den Liebsten? Mit allen möglichen Kommunikationsmitteln rund um die Uhr. Verpflegung? Keine Engpässe. Und die Natur? Im jubelnden Erholungsmodus. 

 

Was ist jetzt angesagt?  

Komfortable Ruhe. Die Gedanken, die ohnehin schon seit langem wie Flöhe herum gesprungen sind und so manchen verrückten Salto geschlagen haben, sammeln, entrümpeln, neu ordnen. Womöglich eine neue, klügere Version für die eigene Zukunft und jene der Familie entwickeln. Zuerst im Kopf, dann in den Handlungen. Die Freude am Ergebnis ist uns sicher. 

Hören wir weg bei den ständigen Ratschlägen von außen, machen wir mal kurz Pause von Zahlen und Diagrammen.

Vertrauen wir unserem Verstand und unserer inneren Stimme. 

Stellen wir jetzt und für alle Zukunft das WIR ein Stück nach vorne und das ICH ein wenig zurück. Interpretieren wir die „Kopfwäsche“ durch Corona als Aufruf und nehmen wir unser Herz in die Hand. 

Bleiben wir noch eine zeitlang daheim, faulenzen wir an diesen Ostertagen, tun wir weiter gar nichts außer uns selbst zu treffen.

Machen wir diese Begegnung zum Osterputz unseres Lebens! 

Und danach? Danach lassen wir unsere Gedanken kreativ fliegen, glauben nicht mehr an Utopien, sondern realisieren sie ganz einfach.

 

Achten Sie auf Ihre Gesundheit und jene Ihrer Liebsten und feiern Sie die Ostern Ihres Lebens!

Wir bleiben in Kontakt. #stayconnected